📌 Wichtiger Hinweis
Die hier genannten Informationen ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Bei gesundheitlichen oder psychischen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Fachärzt:innen oder Psychotherapeut:innen mit Erfahrung in PTED oder komplexer PTBS.
Die SHG-PTED vermittelt keine Therapien, sondern sammelt und teilt Wissen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und Erfahrungsberichte.
Was ist das WIW-Prinzip?
WIW steht für: „Was ist weiterführend?“
Das WIW-Prinzip ist eine Strategie zur Energieeinsparung und Fokussierung – entwickelt für Menschen, die durch PTED oder andere chronische Belastungen mit begrenzten Ressourcen leben. Es hilft, Prioritäten zu setzen und Energie in Maßnahmen zu investieren, die tatsächlich weiterbringen.
Warum ist das WIW-Prinzip für PTED-Betroffene wichtig?
PTED führt oft zu:
- Chronischer Erschöpfung (körperlich und emotional).
- Überforderung durch die Komplexität der Erkrankung.
- Gefühl der Ohnmacht („Ich schaffe das nie.“).
Das WIW-Prinzip unterbricht diesen Teufelskreis, indem es:
✅ Klare Entscheidungen ermöglicht (Was bringt mich weiter? Was raubt mir nur Energie?).
✅ Realistische Ziele setzt (Keine Überforderung, sondern machbare Schritte).
✅ Fokus auf das Wesentliche lenkt (Energie in wirksame Maßnahmen stecken).
Wie wendet man das WIW-Prinzip an?
🔹 Schritt 1: Situation analysieren
Fragen Sie sich:
- Was belastet mich gerade am meisten? (z. B. ein abgelehntes Gutachten, eine ungerechte Entscheidung).
- Was kann ich tatsächlich beeinflussen? (z. B. Widerspruch einlegen, Beweise sammeln).
- Was liegt außerhalb meiner Kontrolle? (z. B. Entscheidungen von Behörden, die ich nicht ändern kann).
Beispiel:
„Ich bin wütend über die Ablehnung meines Antrags. Kann ich etwas dagegen tun?“
→ Ja: Widerspruch einlegen, Anwalt kontaktieren.
→ Nein: Endlos über die Ungerechtigkeit grübeln.
🔹 Schritt 2: Energieverbrauch prüfen
Nicht jede Aktivität bringt Sie weiter. Fragen Sie sich:
- Kostet mich diese Maßnahme mehr Energie, als sie mir bringt?
- Gibt es einen einfacheren Weg, das gleiche Ziel zu erreichen?
Beispiele:
| Maßnahme | Energieaufwand | Nutzen | WIW-Entscheidung |
|---|---|---|---|
| Stundenlang im Internet nach Lösungen suchen | Hoch | Gering (unfokussiert) | Nein – besser: Gezielte Recherche mit klarer Fragestellung |
| Widerspruch gegen einen Bescheid schreiben | Mittel | Hoch (konkrete Handlung) | Ja |
| Sich mit anderen Betroffenen austauschen | Niedrig | Hoch (emotionale Entlastung) | Ja |
| Endlos über die Ungerechtigkeit reden | Hoch | Gering (keine Lösung) | Nein – besser: Emotionen in konstruktive Schritte lenken |
🔹 Schritt 3: Prioritäten setzen
Nutzen Sie die WIW-Matrix, um Entscheidungen zu treffen:
| Frage | Antwort A: Weiterführend | Antwort B: Nicht weiterführend |
|---|---|---|
| Bringt mich das meinem Ziel näher? | ✅ Ja | ❌ Nein |
| Kann ich es mit meinen aktuellen Ressourcen umsetzen? | ✅ Ja | ❌ Nein |
| Habe ich die Kontrolle über das Ergebnis? | ✅ Ja | ❌ Nein |
Regel:
- Wenn 2–3x ✅: Maßnahme umsetzen.
- Wenn 1–0x ✅: Maßnahme überdenken oder fallen lassen.
🔹 Schritt 4: Kleine, machbare Schritte umsetzen
- Teilen Sie große Ziele in kleine Schritte ein.
- Beispiel:
- Ziel: „Ich will meine Rente durchsetzen.“
- Schritte:
- Heute: Gutachten und Bescheide sammeln.
- Diese Woche: Vorlage für Widerspruch herunterladen (www.shg-pted.de).
- Dieser Monat: Widerspruch einreichen.
🔹 Schritt 5: Regelmäßig reflektieren
- Fragen Sie sich wöchentlich:
- Was hat mich diese Woche weitergebracht?
- Was hat mir Energie geraubt, ohne Ergebnis?
- Passen Sie Ihr Vorgehen an – ohne Selbstvorwürfe.
💡 Praktische Beispiele für das WIW-Prinzip
🔹 Beispiel 1: Umgang mit Behörden
- Problem: Endlose Wartezeiten auf Bescheide.
- WIW-Frage:„Kann ich die Wartezeit verkürzen?“
- Ja: Nachfragen, Fristen setzen, Eskalationsstufen nutzen.
- Nein: Ständig anrufen und sich verrückt machen.
- Lösung: Einmal pro Woche gezielt nachfragen – und in der Zwischenzeit Dokumentation vorbereiten.
🔹 Beispiel 2: Emotionale Belastung
- Problem: Ständige Wut auf das System.
- WIW-Frage:„Bringt mich diese Wut weiter?“
- Ja: Wut in Handlungsenergie umwandeln (z. B. Beschwerde schreiben).
- Nein: Wut in Grübeleien oder Hoffnungslosigkeit münden lassen.
- Lösung: Wut nutzen, um Beweise zu sammeln oder sich zu vernetzen.
🔹 Beispiel 3: Therapieauswahl
- Problem: Welche Therapieform ist die richtige?
- WIW-Frage:„Kann ich diese Therapie mit meinen Ressourcen umsetzen?“
- Ja: Therapieform ausprobieren (z. B. Weisheitstherapie, Musiktherapie).
- Nein: Therapieform, die Überforderung oder finanzielle Belastung bedeutet.
- Lösung: Informieren, ausprobieren, reflektieren – ohne Druck.
📌 Typische Fallstricke – und wie Sie sie vermeiden
| Fallstrick | Problem | WIW-Lösung |
|---|---|---|
| Perfektionismus | „Ich muss alles perfekt machen.“ | Akzeptieren, dass „gut genug“ reicht. |
| Überforderung | „Ich schaffe das nie.“ | Kleine Schritte setzen – nicht alles auf einmal. |
| Grübeleien | „Ich denke ständig über das Unrecht nach.“ | Fokus auf Handlungen, nicht auf Gedanken. |
| Isolation | „Ich schaffe das allein.“ | Vernetzung suchen – gemeinsam ist man stärker. |
🚀 Ihr WIW-Plan für die nächste Woche
- Wählen Sie ein konkretes Problem (z. B. ein abgelehntes Gutachten, eine ungerechte Entscheidung).
- Analysieren Sie es mit dem WIW-Prinzip:
- Was kann ich beeinflussen?
- Was raubt mir nur Energie?
- Setzen Sie einen kleinen, machbaren Schritt um.
- Reflektieren Sie am Ende der Woche: Was hat weitergeholfen?